philosophie

Gedanken über meine Arbeit

Theater hat in der Hauptsache einen Gegenstand, und der ist sehr vielfältig. Ich spreche von dem menschlichen Wesen in all seinen Formen, Spielarten, Unterschieden, von seinen Träumen und Ängsten. Den Mensch anzusehen und sein Streben in die Theaterarbeit zu übersetzen, verlangt  Geduld, Vertrauen und Hingabe. Auch eine gewisse Furchtlosigkeit: Denn Theaterarbeit sollte auch vom Tod wissen. Um vom Leben und dem Drang zu leben erzählen zu können. 

Am Anfang jeder Theaterarbeit steht eine Vielzahl von Fragmenten, die es im Laufe des Prozesses zu Ordnung und Klarheit zu führen gilt. Zu einer Form – die meiner Ansicht nach nicht zu dogmatisch, zu geheimnislos sein darf. Der Regisseur sollte offen sein für den Prozess, der oft Überraschungen und ungeahnte Wendungen mit sich bringt. Denn viel kann aus einer Kleinigkeit heraus entstehen - aus einer Geste, einem Wort, einem plötzlichen Wutausbruch, einem spontanen Lachen.  

Es ist ein Finden und Verwerfen, ein Filtern und Formen. Dafür schätze ich den "leeren" Raum. Ein Ort, an dem neue Bilder entstehen können, nicht müde Reproduktionen überfrachteter Geister. Im Hintergrund ruht ein Konzept. Es dient dem Forschen und Finden im Unbekannten. Und dem plötzlichen Erkennen, wenn sich alles zusammenfügt. Denn was weiß ich schon von Welt und Mensch? Es ist lediglich eine Ahnung, die mich streift. Und mit dieser Ahnung arbeite ich.
 
   "Böse Schafe" für Theaterpreis 2011 vorgeschlagen.