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»DER KISSENMANN« IM MALERSAAL | 17.05.2004

Wirklich nur eine Geschichte?

SUSANN OBERACKER

Es war einmal ein Mann, der war aus weichen, rosa Kissen gemacht.

Der Kissenmann überredete Kinder, sich selbst umzubringen, um das Leben zu vermeiden, das ihnen nur Schmerzen brachte und ohnehin eines Tages mit Selbstmord enden würde. Eine schaurige Geschichte, aber eben nur eine Geschichte. Nur? Genau um diese Frage geht es in Martin McDonaghs Drama "Der Kissenmann", das im Malersaal des Schauspielhauses von Nils Daniel Finckh inszeniert wurde.

Der Schriftsteller Katurian wird von zwei Polizisten verhört. Es sind grausame Kindermorde geschehen, die Katurian aufs Detail genau in seinen Kurzgeschichten beschreibt. Der Dichter beteuert seine Unschuld. Doch nebenan wird sein zurückgebliebener Bruder Michal verhört - und der gesteht die Gräueltaten. Er spielte die Geschichten nach.

Der Ire McDonagh erzählt zunächst einmal eine Kriminalgeschichte - mit einem guten und einem bösen Polizisten und einem Plot, der immer wieder Haken schlägt, ehe er sich auflöst. Darüber hinaus geht es aber um Grundsätzliches: Verführen Geschichten zu Taten? Und inwieweit ist der Geschichtenerzähler dafür verantwortlich?

Nils Daniel Finckh hat die Form des Krimis durch kleine Textänderungen ausgehebelt. Er hat ein düsteres Kammerspiel inszeniert, in dem von der gespielten Harmlosigkeit eines Marek Harloff (Katurian) eine undefinierbare Gefahr ausgeht. Entsprechend weniger gefährlich wirkt die aufgesetzte Brutalität der beiden "Polizisten" Guido Lambrecht und Thomas Lawinky. Nackte Angst spricht aus ihrem Spiel. Das alles ist drin in diesem komplexen Stück: eine ethische Erörterung, ein Krimi und ein psychologischer Schocker. Packend.
 
   "Böse Schafe" für Theaterpreis 2011 vorgeschlagen.